Montag, 7. Juni 2021

ausgelesen: Huraki Murakami - Kafka am Strand

Ein Analphabet, der mit Katzen reden kann und auch sonst keine normalen Fähigkeiten besitzt.

Ein weiser Bibliothekar.

Johnnie Walker und Colonel Sanders von KFC.

Sardinen und Blutegel, die vom Himmel regnen.

Eine wunderschöne Dame als Inhaberin und Verwalterin einer privaten Bibliothek, die Nachts als Geist eines 15-Jährigen Mädchens umherschweift.

Verschollen geglaubte Soldaten, ein Eingangsstein und das Tor zu einer fremden Welt.

Und was hat der Junge Kafka Tamura, der an seinem 15. Geburtstag von Zuhause ausreißt, mit alldem zu tun?

Der Roman "Kafka am Strand" ist Gruselgeschichte, Fantasyroman, Familiengeschichte und Märchen in einem.

Surrealistischer könnte der Roman kaum sein.
Verwirrend und spannend durch und durch. 
Und von einer furios-grandiosen Dichte, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn man einmal begonnen hat es zu lesen!


[Rezension] Ann Napolitano - Der Morgen davor und das Leben danach

Autor: Ann Napolitano
Titel: Der Morgen davor und das Leben danach (Originaltitel: Dear Edward, aus dem Amerikanischen übersetzt von Carola Fischer)
Verlag: Diana Verlag, München; in der Verlagsgruppe Penguin Random House
Seiten: 416 Seiten
erschienen ist der Roman am 10.Mai 2021

über die Autorin:
>>Ann Napolitano studierte an der New York University und unterrichtet heute an verschiedenen Universitäten Literatur. Darüber hinaus ist sie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift »One Story« und wurde im November 2019 für den Simpson/Joyce-Carol-Oates-Literaturpreis nominiert. »Der Morgen davor und das Leben danach« ist Ann Napolitanos dritter Roman, er stand wochenlang auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Brooklyn.<< (Zitiert von der Verlagswebseite).


Edward "Eddie" Adler, dessen Vater Mathematiker ist und die Mutter Drehbuchautorin für eine Fernsehserie, muss mit seiner Familie, zu der auch der 15-jährige Jordan gehört, der mitten in der Pubertät steckt,  wegen der Karriere seiner Mutter, von New York nach Los Angeles umziehen.
Die Familie betritt am 12. Juni 2013 ein Flugzeug des Typs Airbus 321, der Flug ausgebucht mit den unterschiedlichsten Menschen, 187 Passagiere.

Doch der Flug erreicht niemals seinen Zielflughafen: Das Flugzeug stürzt auf der Hälfte des Flugs ab.
Einziger Überlebender: Der 12-jährige Edward.

Edward lebt nach seinem Krankenhausaufenthalt von nun an bei seinem Onkel und seiner Tante, der Schwester von Edwards Mutter.
Die körperlichen Wunden mögen schnell heilen, aber das seelische Trauma, nicht zuletzt von der abgedrehten Behandlung seiner Mitmenschen ausgelöst, die ihn als "den Auserwählten" betrachten, prägt sein gesamtes weiteres Leben, und verleiht der Sinnfrage, in der Pubertät ohnhin ein wichtiges Thema, eine ganz neue Bedeutung.
Schließlich ist es Nachbarstochter Shay, die Edward zur Seite steht und für ihn zu einem ganz besonderen Menschen wird, der seinen Alltag ausfüllt und ihm bei der Aufarbeitung auf ihre ganz eigene Art und Weise hilft.

Die Autorin zeigt im Wechsel Szenen aus dem Flugzeug bevor es dann zur Katastrophe kommt und das Leben Edwards, angefangen im Krankenhaus bis zu seinem 16. Lebensjahr, mit all den Facetten seines Innenlebens und seiner Entwicklung zum erwachsenen Menschen.

Für das Schreiben des Buches stützt sich die Autorin auf einen Vorfall des es so tatsächlich gegeben hat, als ein Flugzeug abstürzte und ein 9-jähriger Junge als einziger überlebte. Sie hat für ihre Recherche Blackboxaufzeichnungen studiert und sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt, dennoch spielt in ihrem Roman vor allem die menschliche und zwischenmenschliche Ebene die Hauptrolle und wird gekonnt in die Rahmenhandlung eingebettet.

Man kann sagen, dass die Autorin ein ganz entsetzliches Thema sensibel aufbereitet hat.



Samstag, 1. Mai 2021

ausgelesen: Ebba D. Drolshagen - Gebrauchsanweisung für Norwegen

 Bereits im Januar habe ich das Sachbuch "Gebrauchsanweisung für Norwegen" von Ebba D. Drolshagen ausgelesen.

Wie der Titel bereits verrät, stammt es aus der "Gebrauchsanweisung für..." -Reihe vom Piper Verlag, die bereits seit etliche Jahren Sachbücher über verschiedene Länder (Indien, Schweden, ...), Städte (Köln, Paris, London,...), Regionen (Ruhrgebiet, Gardasee, ...) aber auch Sportarten oder das alltägliche Leben herausbringen.

Gebrauchsanweisung für Norwegen beleuchtet verschiedenste Themen wie Land und Leute, Sitten und Gebräuche, Essen, das Klima...

Es klärt den Norwegen-Neuling darüber auf, dass die Norweger zu Ostern gerne Krimis lesen, dass man gerne Tracht trägt (nicht nur am Nationalfeiertag, dem 17. Mai), dass die royale Famile eigentlich grundbodenständig aber für die Norweger unentbehrlich ist und nimmt einen mit auf eine Reise von Oslo im Süden über Bergen bis in die Polaren Regionen wo die Samen leben.

Auch auf die Ereignisse im Juni 2011 auf der Insel Utøya, die die ganze Welt in Schockstarre versetzten, wird natürlich eingegangen und darüber berichtet, wie Norwegen mit seiner Haltung dazu ein Exempel statuierte.

Das Buch ist eine interessante Lektüre für jeden der gerne einmal nach Norwegen reisen möchte, aber mehr wissen will als die klassischen Fakten für Touristen, sozusagen einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte.

Sonntag, 25. April 2021

[Rezension] Susanne Abel - Stay Away From Gretchen

Autor: Susanne Abel
Titel: Stay Away From Gretchen - Eine unmögliche Liebe
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft, München
Seiten: 496 Seiten
erschienen am 18.03.2021

über die Autorin:
Susanne Abel, geboren in einem badischen Dorf an der französischen Grenze, arbeitete vor ihrem Debütroman bereits als Erzieherin und Puppenspielerin, bevor sie ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie abschloss. Sie hat als Autorin und Regisseurin zahlreiche Dokumentationen für's Fernsehen realisiert. Sie lebt und arbeitet in Köln.


Die fiktive Geschichte, die auf Grundlage der Erfahrungen und Erzählungen der Mutter der Autorin entstanden ist, ist äußerst interessant und spannend:
Fernsehmoderator Tom muss mit der Diagnose Demenz seiner sonst so fitten Mutter klarkommen und findet dabei heraus, was der Grund dafür ist, dass seine Mutter Greta während seiner Kindheit und Jugend so oft niedergeschlagen und depressiv war und mehrfach in Kliniken psychiatrisch behandelt werden musste.
Mit der Zeit kommen immer mehr Details ans Licht und Tom sieht sich mit einer Wahrheit konfrontiert, die ihm selbst regelrecht den Atem raubt und die Schuhe auszieht.
Mutter und Sohn könnten nicht unterschiedlicher sein und durch die zahlreichen Rückblenden in die Vergangenheit Gretas bis zu ihrer frühesten Kindheit in Preußisch-Eylau entwickelt sich für den Leser eine Geschichte, wie es sie während des Zweiten Weltkriegs oft gegeben hat: Armut, Flucht aus der Heimat, Wohnungsnot, zerrüttete Familien und die Probleme in der Besatzungszone nach Kriegsende...

Der Roman ist äußerst vielschichtig, tiefgründig und hervorragend recherchiert!
Ein unterhaltsames und doch geschichtlich wertvolles Werk, das Autorin Susanne Abel geschaffen hat!

Freitag, 12. Februar 2021

ausgelesen: Greta & Svante Thunberg / Beata & Malena Ernman - Szenen aus dem Herzen

 "Szenen aus dem Herzen - Unser Leben für das Klima" beantwortet vor allem die Frage: Wer ist Greta Thunberg?

Das Buch, das zusammen von der ganzen Familie verfasst wurde, bietet einen sehr intimen Einblick in das Leben der Familie, das Leben bevor die Familie anfing sich mit dem Thema Klimawandel zu befassen und wie schwer der Weg bis zur Diagnose Asperger (eine spezielle Form innerhalb des Autismus Spektrums) für Greta und ihre Eltern, aber auch ihre Schwester, war.

Schonungslos schildert das Buch den Alltag der Familie und die Hürden und Belastungen für und durch beide Kinder.

Böse Zungen behaupten ja nach wie vor, das ganze wäre nur eine Marketingstrategie und werfen den Eltern Gretas vor, sie wäre indoktriniert worden. Man wirft der Familie vor, Profit aus der ganzen Bewegung zu ziehen, die Greta ins Leben gerufen hat, und man würde sie regelrecht missbrauchen und verheizen, um berühmt zu sein.

Wer das Buch liest, merkt schnell, dass diese Aussage mehr als ungerechtfertigt und an den Haaren herbeigezogen ist, da die Familie das niemals nötig hätte, weder finanziell noch was die Aufmerksamkeit anbelangt. Dem Leser werden die Augen geöffnet. 

Wer offen ist, wird spätestens bei der Lektüre des Buches merken, welch außergewöhnlicher Mensch Greta ist (ebenso ihre Schwester Beata und ihre Eltern) und das sie bereits in jungen Jahren große Hürden zu meistern hatte und dennoch nicht daran zerbrochen ist.

Auch wenn die Thematik Klimawandel hier ungeschönt drastisch geschildert wird, ist es doch letztlich ein Buch, das jedem Leser Mut machen wird!