Donnerstag, 31. Januar 2013

manchmal...

... ja manchmal, da komme ich mir vor wie Beckmann aus "Draußen vor der Tür" (von Wolfgang Borchert).

BECKMANN: (leise) Ich halte es nicht aus!  Ich halte es nicht aus!  Ich halte es nicht aus!

DER ANDERE: Doch, Beckmann, doch!  Man hält das aus.

BECKMANN: Nein!  Ich will das nicht mehr aushalten!  Geh weg! Du blödsinniger Jasager!  Geh weg!

DER ANDERE: Nein, Beckmann.  Deine Straße ist hier oben.  Komm, bleib oben, Beckmann, deine Straße ist noch lang.  Komm!  Werd nicht müde, Beckmann.  Komm.  Lebe!

BECKMANN: Dieses Leben?  Nein, dieses Leben ist weniger als Nichts.  Ich mach nicht mehr mit, du.  Was sagst du?  Vorwärts, Kameraden, das Stück wird selbstverständlich brav bis zu Ende gespielt.  Wer weiß, in welcher finsteren Ecke wir liegen oder an welcher süßen Brust, wenn der Vorhang endlich, endlich fällt.  Fünf graue verregnete Akte!

DER ANDERE: Mach mit.  Das Leben ist lebendig.  Beckmann.  Sei mit lebendig!

BECKMANN: Sei still.  Das Leben ist so:
1. Akt:  Grauer Himmel.  Es wird einem weh getan.
2. Akt:  Grauer Himmel.  Man tut wieder weh.
3. Akt:  Es wird dunkel und es regnet.
4. Akt:  Es ist noch dunkel.  Man sieht die Tür.
5. Akt:  Es ist Nacht, tiefe Nacht, und die Tür ist zu.
Man steht draußen.  Draußen vor der Tür.  An der Elbe steht man, an der Seine, an der Wolga, am Mississippi.  Man steht da, spinnt, friert, hungert und ist verdammt müde.  Und dann auf einmal plumpst es, und die Wellen machen niedlich kleine kreisrunde Kreise, und dann rauscht der Vorhang.

DER ANDERE: Beckmann!  Beckmann!

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